Freiburger Stadtteilorchester wird beim World Music Contest 2026 in Kerkrade mit Gold ausgezeichnet – Erfolg bestätigt 25 Jahre konsequente musikalische Aufbauarbeit
Freiburg/Kerkrade. Ein Freiburger Stadtteilorchester auf der internationalen Bühne – und am Ende steht Gold: Die Orchestergemeinschaft Seepark Freiburg ist beim World Music Contest (WMC) 2026 im niederländischen Kerkrade mit einer Goldmedaille ausgezeichnet worden. Mit 67 Musikerinnen und Musikern trat das sinfonische Blasorchester am Samstag, 25. Juli, im Theater Kerkrade in der Division 3 an. Nach dem bereits erfolgreichen WMC-Debüt im Jahr 2022 konnte das Freiburger Orchester damit seinen Erfolg vier Jahre später wiederholen.
Auf dem Wettbewerbsprogramm standen drei anspruchsvolle Werke der sinfonischen Blasmusik. Als Pflichtstück präsentierte die Orchestergemeinschaft „Evolutions for Winds“ des luxemburgischen Komponisten Marco Pütz. Ergänzt wurde das Programm durch die beiden Selbstwahlwerke „Flame and Glory“ von Jan van der Roost und „Music for a Festival“ von Philip Sparke.
Die erneute Goldmedaille ist für die Orchestergemeinschaft Seepark weit mehr als eine Auszeichnung für einen gelungenen Wettbewerbsauftritt. Sie bestätigt einen musikalischen Weg, den das Orchester seit inzwischen 25 Jahren konsequent verfolgt.
Vom Stadtteilorchester auf die internationale Wettbewerbsbühne
Dass ein Orchester, dessen Wurzeln in zwei Freiburger Stadtteilen liegen, bei einem der weltweit bedeutendsten Wettbewerbe für Blasorchester eine Goldmedaille erreicht, ist alles andere als selbstverständlich. Die Orchestergemeinschaft Seepark wurde im Jahr 2001 als gemeinsames Orchester des Musikvereins Freiburg-Mooswald e.V. und des Musikvereins Betzenhausen-Bischofslinde e.V. gegründet. Aus der Zusammenarbeit der beiden traditionsreichen Stadtteilvereine entwickelte sich über zweieinhalb Jahrzehnte ein großes sinfonisches Blasorchester, das heute Musikerinnen und Musiker aus Freiburg und der gesamten Region zusammenführt.
Dabei setzte die Orchestergemeinschaft Seepark früh auf einen Weg, der musikalischen Anspruch und die Offenheit eines Amateurorchesters miteinander verbindet. Anspruchsvolle Originalkompositionen für sinfonisches Blasorchester, kontinuierliche Probenarbeit und musikalische Weiterentwicklung gehören ebenso zum Selbstverständnis wie Gemeinschaft und die Verwurzelung in den Freiburger Stadtteilen. Die Goldmedaille von Kerkrade ist deshalb auch eine Auszeichnung für diese langfristige Aufbauarbeit.
Wachstum in einer Zeit rückläufiger Mitgliederzahlen
Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung vor dem Hintergrund der Herausforderungen, mit denen viele Musik- und Kulturvereine konfrontiert sind. Während andernorts aktive Besetzungen kleiner werden und Vereine um musikalischen Nachwuchs und langfristig engagierte Mitglieder kämpfen, verzeichnet die Orchestergemeinschaft Seepark seit Jahren einen stetigen Zulauf.
67 Musikerinnen und Musiker standen beim WMC gemeinsam auf der Bühne. Sie verbindet die Freude an anspruchsvoller sinfonischer Blasmusik – und der Wunsch, das Blasorchester als vielseitigen Klangkörper jenseits musikalischer Klischees zu erleben. Oder mit einem Augenzwinkern formuliert: Schlecht klingende Bierzeltmusik ist den Musikerinnen und Musikern der Orchestergemeinschaft Seepark eher ein „Dorn im Ohr“. Dass sich mit diesem Anspruch Menschen für ein Amateurorchester begeistern lassen und bereit sind, über Monate intensiv auf ein gemeinsames musikalisches Ziel hinzuarbeiten, macht den Erfolg von Kerkrade besonders wertvoll.
Die „Weltmeisterschaft der Blasorchester“
Der World Music Contest in Kerkrade zählt zu den wichtigsten internationalen Ereignissen der Blasmusikszene und wird häufig als „Weltmeisterschaft der Blasorchester“ bezeichnet. Seit 1951 treffen sich dort Musikerinnen und Musiker aus zahlreichen Nationen. Der Wettbewerb findet nur alle vier Jahre statt. 2026 steht das Festival zusätzlich im Zeichen seines 75-jährigen Bestehens. In unterschiedlichen Wettbewerbsformaten treten Blasorchester, Brass Bands, Fanfare-Orchester, Percussion Ensembles sowie Marching- und Showbands an. Insgesamt kommen während des WMC tausende Musiker aus aller Welt nach Kerkrade. Für die konzertanten Wettbewerbe müssen sich die teilnehmenden Orchester einem international besetzten Jurorengremium stellen. Bewertet werden unter anderem Klangqualität, musikalische Präzision, Interpretation, technische Umsetzung und der musikalische Gesamteindruck.
In der Division 3 trat die Orchestergemeinschaft Seepark gegen internationale Konkurrenz unter anderem aus Spanien, Kolumbien, Polen, Tschechien, Belgien, Italien, Frankreich und Luxemburg an. Aus Deutschland waren neben dem Freiburger Orchester auch die Stadtkapelle Lahr vertreten. Bereits die Zulassung zum WMC ist für viele Amateurorchester ein langfristiges Ziel. Die Vorbereitung auf Kerkrade bestimmt häufig über Jahre hinweg die musikalische Arbeit eines Ensembles. Für die Orchestergemeinschaft Seepark war es nach 2022 die zweite Teilnahme – und zum zweiten Mal kehrt das Orchester mit Gold nach Freiburg zurück.
Gold im dreifachen Jubiläumsjahr
Passender könnte der Zeitpunkt kaum sein. Denn 2026 ist für die Orchestergemeinschaft Seepark ohnehin ein besonderes Jahr: Gleich drei Jubiläen verbinden sich rund um das Orchester. Der Musikverein Freiburg-Mooswald blickt auf sein 70-jähriges Bestehen zurück, der Musikverein Betzenhausen-Bischofslinde feiert 40 Jahre Vereinsgeschichte – und ihre gemeinsame Orchestergemeinschaft Seepark besteht seit mittlerweile 25 Jahren.
Damit erzählt die Goldmedaille von Kerkrade zugleich eine Freiburger Erfolgsgeschichte: Zwei Stadtteilvereine entschieden sich vor einem Vierteljahrhundert dafür, musikalische Kräfte zu bündeln und gemeinsam etwas Neues aufzubauen. Aus dieser Idee ist ein großes sinfonisches Blasorchester entstanden, das heute 67 Musikerinnen und Musiker zu einem internationalen Wettbewerb führt – und dort mit Gold ausgezeichnet wird.
Der Erfolg beim World Music Contest 2026 zeigt damit vor allem eines: Kontinuierliche Vereinsarbeit, musikalischer Anspruch und Gemeinschaft können auch in einer sich verändernden Kulturlandschaft Menschen dauerhaft für aktives Musizieren begeistern. Und manchmal führt der Weg vom Freiburger Seepark eben bis auf eine internationale Bühne nach Kerkrade – und mit einer Goldmedaille wieder zurück nach Hause.